Dipl.-Ing. Birgit Hell - Attachée für Agrar- und Umweltangelegenheiten in Frankreich
Kontakt: Österreichische Botschaft Paris
6. rue Fabert, F-75007 Paris
Tel. 0033 1 40633040
e-mail: birgit.hell@bmeia.gv.at
Dipl.-Ing. Birgit Hell - Attachée für Agrarangelegenheiten bei der OECD
Kontakt: Ständige Vertretung Österreichs bei der OECD
3. rue Albéric Magnard, F-75016 Paris
Tel. 0033 1 53922330
e-mail: birgit.hell@bka.gv.at
Allgemeine Informationen
Fläche: 550 000 km²
Einwohnerzahl: 61,4 Mio.
Hauptstadt: Paris
Währung: Euro
Staatsform: Republik
Staatspräsident: Nicolas Sarkozy
Premierminister: Francois Fillon
Landwirtschaftsminister: Bruno Le Maire
Staats- und Umweltminister: Jean-Louis Borloo
Staatssekretärin: Chantal Jouanno, zuständig für Ökologie im Umweltministerium
Staatssekretärin: Valerie Letard, zuständig für Solidarwirtschaft im Umweltministerium
Staatssekretär: Dominique Bussereau, zuständig für Transport im Umweltministerium
Staatssekretär: Benoist Apparu, zuständig für Wohnwesen im Umweltministerium
ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUR LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT in FRANKREICH:
Frankreich ist mit einer Produktion von 66,8 Mrd. Euro (das bedeutet rd. 18 % der EU-Gesamtproduktion) – vor Deutschland 48,2 Mrd. Euro und Italien mit 46,1 Mrd. Euro - das größte Agrarland der EU und nimmt mit 43,5 Mrd. Euro den dritten Platz in der Reihe der weltweit größten Agrarprodukt- und Lebensmittelexporteure sowie den ersten Rang in der Reihe der weltweit größten Lebensmittelexporteure ein.
Flächennutzung: landwirtschaftliche Nutzfläche: 29,366.000 ha
forstwirtschaftliche Nutzfläche: 15.597 ha
Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe: 326 000; davon 192 800 individuelle Betriebe,
Rest diverse Gesellschaftsformen (GAEC, EARL, andere Zivilgesellschaften bzw. anderer Status). 3,2 % der Betriebe betreiben Biolandwirtschaft.
Struktur der Betriebe:
< 5 ha: 6,5 % der Betriebe,
5-20 ha: 12 %,
20-35 ha: 12 %,
35-50 ha: 12,5 %,
50-100 ha: 31 %,
100-200 ha: 21 %,
200-300 ha: 4 %,
300 ha und mehr: 2 %
durchschnittliche Größe individueller Betriebe: 56,7 ha
Erwerbstätige in der Landwirtschaft: 770.000
Produktion und Hauptproduktionszweige: 23 % landwirtschaftliche Kulturpflanzen, 13,4 % Weinbau, 28,5 % Rinder (16,3 % Milchproduktion, 12,2 % Fleischproduktion), 5,7 % Schafe, 4,1 % Schwein und Geflügel, 2,8 % Obst, 3 % Gemüse
(Statistiken: Landwirtschaftsministerium, AGRESTE, APCA)
AKTUELLE INFORMATIONEN ZU LANDWIRTSCHAFT UND UMWELT
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)
Im Dezember 2009 versammelte Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire insgesamt 22 EU- Mitgliedsländer, darunter auch Österreich, um über die Zukunft der GAP zu diskutieren. In der Pariser Erklärung sprachen sich alle Teilnehmer für eine ambitionierte und regulierte GAP nach 2013 aus. Außerdem wurde die strategische Bedeutung der Landwirtschaft in Bezug auf Beschäftigung, Nahrungsmittel, Umwelt, Regionen, public goods und positive Nebeneffekte in Erinnerung gerufen.
Ein nationales Gesetz zur Modernisierung der Landwirtschaft ist derzeit in Frankreich in Ausarbeitung. Unter den 4 Schwerpunktthemen erneuerte Politik, Einkommensstabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Landversiegelung sollen Anpassungen zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft vorgenommen und Antworten auf zukünftige Herausforderungen gefunden werden.
Milchproduktion
In Frankreich gibt es rund 90 000 Milchbetriebe. Aufgrund der EU-weiten Milchkrise 2009 überlegt Frankreich die systematische Einführung von Abkommen zwischen Milcherzeugern und Milchabnehmern. Damit soll Preisstabilität und Vorausschaubarkeit im Sinne aller Beteiligten erzielt werden. Bestehende Instrumente sollten an Krisensituationen angepasst werden und neue Instrumente wie z. B. ein Mechanismus zur Steuerung der Produktionsmenge in der EU entwickelt werden.
Biotreibstoffe
Frankreich ist weltweit der größte Produzent von Bioethanol auf Basis von Zuckerrüben. Andere Ausgangsprodukte wie Getreide spielen in der Biotreibstoffgewinnung eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Frankreich zielt auf einen Anteil der Biotreibstoffe von 7 % für das Jahr 2010. Dieser soll bis zum Jahr 2015 auf 10% erhöht werden.
Programm für ländliche Entwicklung 2007 – 2013
Frankreich erstellte insgesamt 6 Programme zur ländlichen Entwicklung (Frankreich-Mutterland außer Korsika, Korsika, 4 Überseegebiete). In der Vorbereitungsphase haben französische Parlamentarier- und Expertendelegationen fünf EU-Mitgliedstaaten besucht, darunter auch Österreich, um einen Erfahrungsbericht dieser Länder zu erstellen.
Umweltpolitik
Frankreich misst dem Thema Energie/Umwelt zunehmend Bedeutung bei. Das französische Umweltministerium besteht nunmehr aus 1 Staatminister und 4 Staatssekretären, welche Bereiche von Ökologie über Transport bis Raumplanung abdecken. Außerdem sorgt seit Herbst 2007 eine breit angelegte Umweltinitiative „Grenelle de l’Environnement“ für konzertierte Maßnahmen zum Umweltschutz in Frankreich.
In einem Rahmengesetz wurden im Jahr 2009 Zielvorgaben bezüglich Klimaschutz, Erhaltung der Biodiversität und von Landschaften sowie Förderung einer gesunden Umwelt beschlossen. Ein Umsetzungsgesetz, mit dem konkrete Maßnahmen festgeschrieben werden, ist derzeit in Finalisierung.
Biotechnologie, GVO
Im Rahmen der Umweltinitiative wurde mit 12. Mai 2009 eine Biotechnologie-Behörde „Haut Conseil des Biotechnologies“ neu eingesetzt. Die durch ihren interdisziplinären Ansatz herausragende unabhängige Experten-Behörde verfügt über ein Budget von rund 1 Mio. Euro und wird neben GVO-Fragen alle weiteren Biotechnologie-Bereiche behandeln. Wichtige Aufgabenfelder stellen die Evaluierung von Gesundheits- und Umweltrisiken aufgrund von Biotechnologie-Anwendungen sowie die Definition von „GVO-Freiheit“ dar.
Die Behörde setzt sich aus insgesamt 63 Personen in zwei Komitees zusammen. Deren Leitung übernimmt Frau Catherine Brechignac als Präsidentin des Haut Conseils. Das wissenschaftliche Komitee wird vom Virologen Jean-Christophe Pages geleitet und besteht aus 34 wissenschaftlichen Mitgliedern.
Ein zweites Komitee behandelt wirtschaftliche, ethische und soziale Fragen die Biotechnologie betreffend und kann das wissenschaftliche Komitee zu jeglichen relevant erscheinenden Fragen in Anspruch nehmen. Die Juristin Christine Noiville übernimmt den Vorsitz über die insgesamt 26 Mitglieder dieses Komitees.
Seit dem Winter 2007/2008 besteht in Frankreich aus umwelt- und gesundheitspolitischen Überlegungen ein Anbauverbot für die Maissorte MON 810, den einzigen in Frankreich kultivierten GVO. Die neue Biotechnologie-Behörde untersuchte die Maissorte MON 810 nach wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten und veröffentlichte im Dezember 2009 ihren Bericht: die Vorzüge sind nicht eindeutig belegbar.
Derzeit ist ein Anbau von GVOs ausschließlich zu wissenschaftlichen Versuchszwecken in Frankreich möglich.
französisches Landwirtschaftsministerium – www.agriculture.gouv.fr
französisches Umweltministerium – www.ecologie.gouv.fr
Statistiken zu "Umwelt" – www.ifen.fr
Statistiken zu „Landwirtschaft“ - http://agreste.agriculture.gouv.fr/
französische Ratspräsidentschaft – www.eu2008.fr
12.07.2010, Lebensministerium III/1


