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Foto: BMLFUW/Schiffl...

Die österreichische Verkehrsbilanz

Seit 1950, dem Beginn unserer Betrachtung, ist der Verkehrsaufwand in Österreich sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr stark gestiegen.

Dies ist auf mehrere zusammenwirkende Faktoren zurückzuführen:

  • die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere hinsichtlich des für Verkehr und Mobilität verfügbaren Einkommens
  • die demographische Entwicklung und die Änderungen in der Bevölkerungsstruktur die psychologischen und soziologischen Faktoren, wie die individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Lebensbilder der Verkehrsteilnehmer und deren ökonomische und soziale Stellung, sowie der Stellenwert von Verkehrsmitteln in der Gesellschaft
  • die breite Verfügbarkeit privater motorisierter Verkehrsmittel (Massenmotorisierung)
  • die Veränderung der Angebotsqualität der Verkehrsinfrastruktur durch großzügigen Straßenausbau bei gleichzeitigem Zurückbleiben des Schienennetzes
  • die Zurverfügungstellung des öffentlichen Straßenraumes für das Abstellen von Fahrzeugen
  • die technologische Entwicklung der Verkehrsmittel und Infrastruktur die Raumplanung mit Flächenwidmungen und Bebauungsformen;
  • insbesondere die fortschreitende Zersiedelung und die wachsende räumliche Streuung von Betrieben, Einkaufszentren und Freizeitparks
  • die Gestaltung der Preise (z. B. Treibstoffpreise, variable und fixe Kosten, Tarife) am Verkehrsmarkt, wo hohe Kostenanteile des Kfz-Verkehrs nicht von den Verursachern getragen, sondern als externe Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden
  • die rechtlichen, ordnungspolitischen und finanztechnischen Rahmenbedingungen, wie Straßenverkehrsordnung, Steuersystem, Förderwesen u. v. a.
  • die Einflußnahme unterschiedlicher Interessensorganisationen
  • die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung zur Beeinflussung der privaten und öffentlichen Meinung und
  • der Einfluß der Massenmedien auf Einzel- und Gruppenverhalten.

Deutlich wird, daß die Verkehrsentwicklung nicht Naturgesetzen gehorcht, sondern durch einige Hauptfaktoren laufend beeinflußt wird und daher aber auch beeinflußt werden kann.

Zwischen diesen Einflußfaktoren bestehen zahlreiche Wechselwirkungen, die zu gegenseitiger Verstärkung bzw. Abschwächung führen, wodurch Synergie- oder Kompensationseffekte entstehen können.

Großzügiges Bereitstellen von Straßen und Parkplätzen und autoorientierte Siedlungsentwicklung bei gleichzeitig niedrigem Treibstoffpreisniveau verstärken etwa den Anreiz zur Autobenutzung und führen damit zu starken Zunahmen des Kfz-Verkehrs.

Wird parallel dazu der Öffentliche Verkehr ausgebaut, kann dieser trotz Ausbau bei diesen hohen Anreizen zur Autonutzung nicht seine volle Attraktivität entfalten.

Werden parallel zum Ausbau des Öffentlichen Verkehrs durch höhere variable Kosten, Parkraumbewirtschaftung und Optimierung der Siedlungsplanung mit guter Erreichbarkeit im Öffentlichen Verkehr die Anreize zur Autobenutzung gedämpft, können die Anreize zur Benutzung des Öffentlichen Verkehrs verstärkt wirksam werden.

03.06.2002, Lebensministerium V/5