In Österreich entwickelter Kurzzeit-Test für Bodenorganismen
Entsprechend ihrer inhärenten (intrinsischen) Eigenschaften werden chemische Stoffe und Produkte nach bestimmten Methoden klassifiziert (eingestuft) und im Bedarfsfall mit Warnsymbolen gekennzeichnet. Zur Zeit wird das Symbol N – Umweltgefährlich ausschließlich auf Basis von Daten aus der aquatischen
Umwelt (v.a. Fische, Wasserfloh-Krebse, Algen) vergeben. Seit mehreren Jahren ist Österreich aktiv darum bemüht, dass Daten für die bodenbewohnenden (terrestrischen) Organismen erstellt und diese dann bei der Einstufung und Kennzeichnung berücksichtigt werden.International gibt es einige Staaten, die Daten von Bodenorganismen für eine Abschätzung des Gefährdungspotenzials heranziehen. Darunter hat Neuseeland das differenzierteste System, welches alle Chemikalien, d.h. auch Pflanzenschutzmittel, berücksichtigt.
Zur Zeit wird ein weltweit harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien entwickelt (GHS – globally harmonized system). Die OECD hat von der UNECE den Auftrag bekommen, die vorhandenen Einstufungssysteme für die Beurteilung des Gefährdungspotenzials für die terrestrische Umwelt zusammenzustellen, die Vorteile einer solchen Einstufung zu beleuchten und relevante offene Fragen an die Wissenschaft zu listen.
Zum Punkt der wissenschaftlichen Themen wurde in Österreich ein neuer Kurzzeittest mit bodenbewohnenden Wimpertierchen (Ciliaten, Protozoa – Einzeller) entwickelt. Die wissenschaftliche Publikation
- Berthold A, Jakl T (2002): Soil ciliate bioassay for the pore water habitat. A missing link between microflora and earthworm testing in soil toxicity assessment. J Soils and Sediments 2, 179-193
Anbei findet sich die Hintergrundinformation, die für die OECD Expertengruppe für terrestrische Gefahrenabschätzung erstellt wurde. Sie klärt die Frage, warum gerade Einzeller, die wesentlich am Nährstoffumsatz im Boden beteiligt sind, bei der Beurteilung der potenziellen Gefährdung des Bodens durch Industriechemikalien eine essentielle Ergänzung zu den vorhandenen Tests darstellen.
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19.05.2008, Lebensministerium V/2


